Die Stars der WM

Die Weltmeisterschaft steht vor der Tür, wir werfen einen Blick auf die Stars der WM2018.

Thomas Müller (Deutschland)

Bundestrainer Löw darf sich freuen: Pünktlich zur WM zeigt die Formkurve von Bayerns Offensiv-Allrounder Thomas Müller wieder klar nach oben. Seit der Rückkehr von Jupp Heynckes auf den Münchener Trainerposten im Herbst 2017 blüht auch Müller sichtbar auf. Er genießt das absolute Vertrauen seines neuen Trainers und alten Förderers und erhält maximale Einsatzminuten, während er bei Vorgänger Ancelotti auf dem Abstellgleis gelandet war. Müller ist deswegen aber noch lange nicht wieder der absolute Torgarant wie zu seinen besten Zeiten in den Jahren 2010 bis 2015, wo er allein bei zwei WM-Turnieren jeweils fünf Treffer markieren konnte. Inklusive dreier Assists sicherte er sich damit in Südafrika 2010 sogar den Goldenen Schuh als bester Torjäger des Turniers. Bleibt Müller von Verletzungen verschont, ist ihm dennoch am 23. Juni beim deutschen WM-Auftakt gegen Mexiko ein Platz in der Startformation nicht unbedingt gleich wieder sicher. Die Konkurrenz auf den Positionen hinter und neben Mittelstürmer Timo Werner ist groß, sodass Müller vielleicht am Ende nur die Joker-Rolle bleibt. Spielen wird er aber sicher, denn mit seinem intuitiven Stellungsspiel und unkonventionellen Laufwegen verlässt er zwar manches Mal den ausgegebenen Matchplan, aber genau das macht für ihn für die meisten Trainer so wertvoll und bei den Fans so beliebt. So schafft er immer wieder Überraschungsmomente, die für kaum einen Gegner über 90 Minuten vollständig kontrollierbar sind, und kann in engen Partien dann den entscheidenden Unterschied für die DFB-Elf ausmachen.

Lionel Messi (Argentinien)

In der zweifellos beeindruckenden Titel-Sammlung des Lionel Messi klafft immer noch eine Lücke. Mit der argentinischen Nationalmannschaft, der Albiceleste, hatte er spätestens in den Finals großer Turniere regelmäßig das Nachsehen. Einzig ein Olympiasieg 2008 steht hier in seiner Vita. Erst 2014 mussten sich die Argentinier um den fünffachen Weltfußballer des Jahres bekanntermaßen Deutschland im WM-Endspiel beugen. Dazu kommen drei verlorene Finalspiele in der Copa América. Dort bewegte die letzte Niederlage 2016 den frustrierten Superstar nach einem ansonsten hervorragenden Turnier sogar zum kurzzeitigen Rücktritt aus der Nationalelf. Zum Glück für Argentinien und jeden Fan fußballerischer Feinkost entschloss sich Messi aber nur Monate später zur Rückkehr. Trotzdem blieb die WM-Qualifikation der Argentinier lange holprig. Erst im allerletzten Spiel gegen Ecuador wurde das Ticket für Russland gelöst. Alle drei Tore bei diesem Sieg schoss – wie sollte es anders sein – Lionel Messi. Die Weltmeisterschaft 2018 könnte schon Messis letzte Chance auf den WM-Pokal und damit die endgültige Krönung seiner Karriere sein, denn während des Turniers feiert er bereits seinen 31. Geburtstag. Auf dem Weg zur Erfüllung seines wohl größten sportlichen Traums kann sich Messi auf ein starkes Team im Rücken verlassen. Fast jede Position ist mit einem weiteren Spitzenspieler europäischer Top-Clubs sehr gut besetzt, was den zuletzt glänzend aufgelegten Lionel Messi und seine Kollegen zu einem der großen Titelfavoriten bei der WM in Russland macht.

Cristiano Ronaldo (Portugal)

Wenn Cristiano Ronaldo auf dem Platz steht, dreht sich alles vornehmlich um den Superstar von Real Madrid. Die Spiele der Portugiesen bei der WM in Russland werden da sicher keine Ausnahme bilden. Und er bleibt selbst dann noch im Mittelpunkt, wenn er verletzt vom Feld muss: Im EM-Finale 2016 zerrissen sich seine Mitspieler für den mit Knieproblemen ausgewechselten Ronaldo und schafften am Ende die dicke Überraschung gegen Favorit Frankreich. Diese Europameisterschaft war zugleich der erste Titelgewinn Portugals. Ein weiterer großer Erfolg 2018 erscheint allerdings unwahrscheinlich. Ronaldo selbst bewertete sein Nationalteam 2014 nur als Mannschaft mittlerer Qualität. Fußballerisch und für sein eigenes Selbstverständnis heißt das: Auf Ronaldo kommt es an. Zum Schmerz der Portugiesen konnte der fünffache Weltfußballer bei großen Turnieren allerdings nur selten Galavorstellungen abliefern wie sonst in La Liga oder Champions League. Einzig bei der EM 2016 gelangen ihm entscheidende Beiträge wie mit seinem beeindruckenden Kopfballtor zum Halbfinalsieg gegen Wales. Aus der Saison 2017/18 bringt Cristiano Ronaldo aktuell aber nur wenig Schwung mit zur WM-Endrunde. Mit einem Schiedsrichter-Schubser holte er sich gleich zu Beginn fünf Spiele Sperre ab. Dann folgte eine bis dato unbekannte Torflaute: Nach elf Liga-Spieltagen hatte Ronaldo nur einen einzigen Treffer markiert, obwohl er mehr Torschüsse abgab als in den Jahren zuvor. Passend dazu stolpert ganz Real Madrid durch die Saison. Schon im Januar mussten Meisterschaft und Pokal abgehakt werden. Seit Monaten kursieren Wechselgerüchte um Ronaldo und außerdem schwebt noch der große Steuerprozess über ihm. Für einen starken WM-Auftritt sind das alles eher schlechte Vorzeichen.

Neymar Júnior (Brasilien)

Neymar da Silva Santos Júnior reist als teuerster Spieler aller Zeiten nach Russland an. Sein Wechsel von Barcelona nach Paris für 222 Millionen Euro schrieb im August 2017 Fußballgeschichte. Aber auch ohne diese Randnotiz hätte er wohl zu den am meisten beachteten Kickern der WM gehört. Neymar ist der Star und Hoffnungsträger der fußballverrückten Brasilianer. Und die wünschen sich nach dem Drama bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land 2014 von Neymar und ihrer Seleção nichts sehnlicher als den sechsten Titelgewinn. Der brasilianische Kapitän Neymar, der schon mit 25 über 80 Nationalmannschaftseinssätze mit mehr als 50 Toren vorzuweisen hat, könnte diesen Traum in Erfüllung gehen lassen. In Paris spielt er aktuell eine sehr gute Saison und gehörte zum Jahreswechsel 2018 mit sechs Champions-League-Toren und 15 Liga-Treffern zu den besten Kickern in den europäischen Top-Ligen. Dennoch fühlt sich Neymar offensichtlich nicht wohl bei seinem aktuellen Club. Mit Teamkollege Cavani, einem weiteren Alpha-Fußballer, liegt er im Dauerclinch. Cavani ist allerdings eher der Liebling der PSG-Fans und so wurde Neymar selbst nach vier Toren im Ligaspiel gegen Dijon deswegen jüngst heftig ausgepfiffen. Überhaupt gefällt Neymar der defensive Spielstil der französischen Liga nicht, weil er sich als Kreativspieler dort nicht entfalten könne. Nach weniger als einem Jahr machen bereits wieder Wechselgerüchte die Runde. Wie kaum ein zweiter Fußballer scheint Neymar solche Probleme auf dem Platz aber immer wieder abschütteln zu können, um mit genialen Momenten zu kontern. Trotzdem wird er bei der WM eine gewisse taktische Disziplin pflegen müssen, wenn es für ihn und die Brasilianer bis zum Schluss reichen soll.

Kylian Mbappé (Frankreich)

Der erst 19-jährige Kylian Mbappé ist der große Hoffnungsträger und Shooting-Star der französischen Fußballnation. Schon mit elf stand das Jahrhunderttalent auf den Scouting-Zetteln von Real Madrid oder Chelsea. Aber der Junge und seine Familie entschieden sich für einen anderen Weg und wählten den AS Monaco als Ausbildungsverein. Dort schaffte er es schnell in die erste Mannschaft und kam Ende 2015 zum ersten Liga-Einsatz. Gerade volljährig erzielte er dann in der Saison 2016/17 insgesamt 26 Treffer und weckte sofort das Interesse von Paris Saint-Germain. Dahin ist er aktuell auch ausgeliehen und liegt zur Hälfte der Saison mit 15 Treffern in allen Wettbewerben bereits wieder auf einem beachtlichen Erfolgsniveau. Der endgültige Wechsel nach Paris ist längst beschlossene Sache, wurde nach dem Neymar-Transfer zur Einhaltung des Financial Fair Play aber um ein Jahr aufgeschoben. 2017 startete Mbappé dann auch in Frankreichs A-Nationalmannschaft durch und konnte in seinen ersten zehn Einsätzen immerhin schon einen Treffer markieren. Mit ihm könnte der Aufschwung der Équipe Tricolore (EM-Zweiter 2016 und WM-Viertelfinale 2014) weiter an Fahrt gewinnen, nachdem die französische Nationalelf vor gut zehn Jahren quasi am Boden lag. Aber nicht nur Talent und Torgefahr tragen Mbappé bei der WM 2018 beste Chancen auf viele Einsätze neben den bekannten Offensivkräften Griezmann oder Giroud ein. Im Vergleich zum direkten Konkurrenten Dembélé, der zudem mit vielen Verletzungen zu kämpfen hat, gilt Kylian Mbappé als allürenfreier, bescheidener Teamplayer, der jene mannschaftliche Geschlossenheit perfekt unterstützt, die für einen Titelgewinn unverzichtbar ist.

Paolo Dybala (Argentinien)

Auf der Suche nach einem legitimen Erben von Lionel Messi fällt immer wieder der Name von Paolo Dybala. Der 24-Jährige, der bei Juventus Turin mal als hängende Spitze, mal als Mittelstürmer oder im offensiven Mittelfeld eingesetzt wird, lieferte zuletzt mit 23 und 19 Saisontoren ordentliche Trefferquoten in Italien ab. So unangefochten er mit diesen Leistungen bei Juventus auch ist, in der argentinischen Nationalmannschaft hat er ein großes Problem. Denn sein Einsatzradius und auch seine Spielweise decken sich ziemlich genau mit Position und Stil von Messi. Beide sind stürmende Spielmacher oder eben spielgestaltende Stürmer. Beide gleichzeitig in einer Aufstellung unterzubringen, ohne dass sie sich gegenseitig den Raum und ihre Gefährlichkeit nehmen, stellt für Argentiniens Coach Sampaoli eine ganz besondere Herausforderung dar. Selbst als es in der WM-Qualifikation für Argentinien um alles ging, wagte Sampaoli keinen Dybala-Einsatz neben Messi. Er stellte aber auch in Aussicht, dass er die verbleibenden Monate bis zur WM nutzen will, um Paolo Dybala und Messi in einer Elf sinnvoll zu vereinen. Gelingt ihm das, steigt Argentinien zum Top-Favoriten auf. Ansonsten bleibt Dybala wohl nur die Rolle des Edel-Reservisten, der nahezu gleichwertig Messi ersetzen könnte, wenn dieser einmal einen schlechten Tag erwischt oder sich verletzen sollte. In jedem Fall rückt diese besondere Situation Paolo Dybala bei der WM 2018 mitten ins Rampenlicht.

Harry Kane (England)

Englands Fußballer werden vor jedem WM-Turnier von den Träumen ihrer Fans getragen, dass endlich wieder eine Three Lions-Auswahl den Triumph von Wembley 1966 wiederholen kann. Die Hoffnungen an jede neue Spielergeneration knüpfen sich dabei immer eng an einzelne große englische Kicker: einst Gascoigne und Shearer, später Beckham oder Rooney und 2018 Harry Kane. Der Mittelstürmer von Tottenham Hotspur bringt seit Jahren fast nach Belieben den Ball immer wieder im Netz unter. 31, 28 und 35 Saisontore stehen für die letzten drei Spielzeiten in seiner Bilanz. In der Saison 2017/18 wird er seine Bestmarke aus dem Vorjahr sehr wahrscheinlich noch übertreffen, da schon im Januar 2018 wieder 29 Treffer in den verschiedenen Wettbewerben zu Buche stehen. Auch im Trikot der Nationalmannschaft ist Kane die personifizierte Torgefahr: zwölf Tore in 23 Einsätzen. Vier seiner torlosen Spiele schmerzten ihn und die Briten aber besonders. Bei der EM 2016 konnte er nicht ansatzweise seine Stärken auf den Platz bringen, England blieb weitgehend harmlos und musste schon nach dem Achtelfinale die Heimreise antreten. Der Druck, der dabei auf ihm lastete, schien Kane mental zu überfordern. Gleichzeitig verordnete der damalige Trainer Hodgson ihm immer wieder Aufgaben, die eigentlich nicht für einen Mittelstürmer gemacht sind: Kane musste Eckstöße treten oder das Offensivspiel auf der Außenbahn antreiben. Unter dem jetzigen Coach Southgate hat das ein Ende. Kane ist als Mittelstürmer gesetzt und dankte das mit mindestens einem Tor bei 70 Prozent seiner Einsätze. Harry Kane gehört so sicherlich zu den Favoriten auf den Titel des WM-Torschützenkönigs.

Leroy Sané (Deutschland)

Mit Leroy Sané steht Jogi Löw einer der aktuell besten Premiere League-Spieler auf der linken oder auch rechten Außenbahn zur Verfügung. Sané, der bei Schalke und in Leverkusen ausgebildet wurde, galt schon in der Jugend als eines der größten deutschen Fußballtalente. Dennoch hat die rasante Entwicklung, die Sané nach nur einem Bundesliga-Jahr bei Schalke in rund 18 Monaten bei Manchester City genommen hat, selbst Experten überrascht. Trotz Verletzungen und Anlaufschwierigkeiten räumte ihm sein Trainer Pep Guardiola immer mehr Spielzeit ein und Sané wuchs schnell zu einer der festen Säulen im City-Spiel. Im Herbst 2017 führte er sogar kurzzeitig die englische Scorer-Liste an und verwies selbst Vollblut-Stürmer wie Kane oder Lukaku auf die Plätze. Anfang 2018 ist er in diesem Ranking wieder etwas zurückgefallen, zeigt mit sieben Treffern und zehn Assists aber dennoch herausragende Effektivität im offensiven Mittelfeld, die dazu mit einer enormen Schnelligkeit gepaart ist. Für den Bundestrainer kann Leroy Sané in jedem Match zum entscheidenden Vorteil werden. Die gute Saison 2017/18 und seine Flexibilität machen Sané zum sicheren Kandidaten in Löws Kaderplanung. Für die drei Positionen, die dort im offensiven Mittelfeld zu besetzen sind, gibt es zwar rund zehn Kandidaten, aber Sané hat zusammen mit Mesut Özil hier aktuell die besten Aussichten. Direkt oder als Vorlagengeber macht Sané das deutsche Offensivspiel dann noch gefährlicher.

Allein der oben genannten Spieler wegen dürfen wir uns auf eine fantastische Weltmeisterschaft 2018 freuen.